Die Ausstellung "L'autre Allemagner (1914-1924): Rêver la paix" zeigt einen wichtigen und von der französischen Seite bisher verkannten Aspekt der Zeit von 1914-24. Sie widmet sich den deutschen Künstlern, Intellektuellen und Schriftstellern, die, angesichts des Ersten Weltkrieges, die Unmenschlichkeit des Konflikts anprangerten und den Traum vom Weltfrieden verkündeten. Künstler und Schriftsteller verstanden die Aufklärung der Menschen und die Kreation einer neuen Gemeinschaft und Menschheit als ihre Aufgabe. Der Tod, die Verletzungen, die Zerstörung der Körper und der Seelen werden zu zentralen Themen in den Werken von Otto DIX, Georg GROSZ, Max BECKMANN, Franz W. SEIWERT, Gert WOLLHEIM, Will KÜPPER, Otto PANKOK, Else LASKER-SCHÜLER, Hugo BALL, Ernst TOLLER und vielen anderen. Sie alle setzen sich in ihrer Kunst mit der Verarbeitung und Überwindung der Kriegsschrecken auseinander. Die Hoffnung auf eine bessere Welt verband sie miteinander.

Es war jedoch keine von Rache geprägte Ideologie, aus der diese Utopie entstand: Auf den Friedhöfen der alten Welt wurde die Hoffnung auf Erneuerung geboren. Bekannt sind die von Otto Dix oder George Grosz gezeigten Nachkriegstraumata, die Hoffnungen und Visionen, die darauf folgten, wurden in Frankreich so bisher nicht gezeigt. Vielmehr wird die Zeit von 1914-24 nach wie vor als „die schwarzen Jahre“ Deutschlands verstanden, geprägt von Verzweiflung und Zerstörung. Dieses Deutschlandbild basiert auf den abgenutzten Stereotypen eines Landes, das nichts als den Krieg kennt, das Bild des wilhelminischen Stahlhelms wird zu leicht durch das arische Gesicht eines SS-Mannes ersetzt. Für die Zwischenkriegszeit gibt es jedoch auch ein anderes Deutschlandbild, das in den künstlerischen und schriftstellerischen Werken einen anderen Weg, eine andere Motivation und eine andere Zukunft kannte.

 

Der Ursprungsgedanke der Ausstellung liegt in einem Ausstellungs- und Kolloquiumsprojekt aus dem Jahr 2006, das sich auf der Rheinischen Seite mit der Thematik "Krieg und Utopie. Kunst, Literatur und Politik im Rheinland nach dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzte". Die intensiven Reaktionen auf beiden Seiten des Rheins auf die im Kunstort Bunkerkirche in Düsseldorf Heerdt und im Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter gezeigte Ausstellung machten ließen die Idee zu einer erweiterten und vertieften Auseinandersetzung mit dieser Thematik in Zusammenarbeit mit dem Historial de la Grande Guerre heranreifen.

 

Kuratorenteam: Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Jasmin Grande M.A. (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Gerd Krumeich (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Centre de recherche de l’Historial de la Grande Guerre).

 

Die Ausstellung wird auf drei Sprachen präsentiert: deutsch, französisch und englisch

Mit Audioführung, Führungen für Kinder